Minimalinvasiver Sinuslift - implacheck®

Minimalinvasiver Sinuslift

Andreas van Orten – Stellen Sie sich doch bitte kurz mit einigen Sätzen vor. Wer sind Sie, wie ist Ihr Werdegang und wo sind Sie derzeit tätig?

Ich habe von 1993 – 1998 in Münster Zahnmedizin studiert und meine Assistenzarztzeit dann bei einem niedergelassenen Kollegen im Ruhrgebiet verbracht. Zusammen haben wir anschließend eine Gemeinschaftspraxis geführt, in der ich der Juniorpartner gewesen bin.
Im Jahr 2005 habe ich in Waltrop die Zahnärzte Do24 gegründet, in der wir mittlerweile mit 5 Zahnärzten und insgesamt 32 Mitarbeitern tätig sind. In 2016 ist Dr. Dirk Krischik als Partner hinzugekommen, so dass wir als Gemeinschaftspraxis firmiert sind.

Minimalinvasiver Sinuslift - zahnimplantate

Andreas van Orten

  • setzt jährl. 300 Implantate
  • Spezialist Implantologie (DGZI)
  • M.Sc. in Oral Implantology
  • M.Sc. Parodontologie und Implantattherapie
Mehr über Andreas van Orten erfahren

Mit der chirurgischen Parodontal- und Implantattherapie beschäftige ich mich seit Beginn meiner Laufbahn, so dass ich in diesem Bereich mittlerweile auf eine über 20-jährige Berufserfahrung zurückblicken kann. Mit Implantat- und parodontologischen Curricula, unzähligen Fortbildungen sowie zwei postgraduierten Studiengängen in Österreich und Deutschland habe ich diese auch wissenschaftlich weiter ausgebaut. Daraus resultierten drei größere mehrjährige Forschungsprojekte in Kooperation mit den Universitäten in Witten, Bonn und Basel, aus denen wir uns entscheidende Wissensgewinne für die implantologisch tätigen Kollegen erhoffen. Nicht zuletzt auch zum Wohle der zu implantierenden Patienten.

Neben der Praxistätigkeit schreibe ich mittlerweile sehr gerne Artikel über unser Fachgebiet und veranstalte regelmäßige Workshops, Live-OPs und Vorträge, um unser in den letzten 20 Jahren gewonnenes Wissen, weiterzugeben oder stelle es als Webinar auf YouTube online.

Was qualifiziert Sie, im Besonderen über das Thema „Minimalinvasiver Sinuslift“ zu schreiben?

Ich habe mich sehr früh in meiner Laufbahn schon mit digital unterstützten und minimalinvasiven OP-Techniken, sowie dem evidenzbasierten Einsatz von Biomaterialien beschäftigt. Das Wohl unserer Patienten stand bei unserer Tätigkeit dabei maßgeblich im Vordergrund. Gerade die unterschiedlichen Sinusbodenelevationstechniken haben mich immer fasziniert und mich dazu bewogen, mich intensiv seit ca. 15 Jahren damit zu beschäftigen. Besonders inspiriert wurde ich während einer einwöchigen Hospitation in Wien bei einem Kollegen und Entwickler einer besonders tollen Technik, Dr. Klaus Eder, mit dem ich seit vielen, vielen Jahren in engem Kontakt und Austausch stehe. Auch während mehrerer Aufenthalte im fernöstlichen Raum durfte ich spannende Einblicke in verschiedene Behandlungstechniken gewinnen. Innovative Techniken aus dem italienischen und US-amerikanischen Raum, aber auch klassische, endoskopisch-gestützte Techniken der Hals-Nasen-Ohrenärztlichen Kollegen konnten überzeugen. Aus diesem Wissen habe ich eigene Techniken und Prototypen weiterentwickelt, sowie Studien zu besonders geeigneten Biomaterialien begonnen, deren Ergebnisse wir hoffentlich Mitte der 20er-Jahre präsentieren können.

Was ist ein minimalinvasiver Sinuslift und was sind die Unterschiede zum klassischen Sinuslift?

Die beiden klassischen Sinuslifttechniken erfordern entweder eine Lappenpräparation als Zugang zum OP-Gebiet oder den Einsatz von meißelartigen Instrumenten, die mit einem Hammer eingesetzt werden. Bei der ersten Technik muss der Patient mit den Nachteilen einer klassischen Lappenpräparation wie Nähten, Schwellungen oder auch Hämatomen zurechtkommen, bei der zweiten Technik kommt es in wenigen Fällen zu einer vorübergehenden, aber dennoch sehr unangenehmen Phase von Schwindel. Auch der Einsatz von einem Sinutom mit einem Hammer wird vom Patienten für gewöhnlich als zwar nicht schmerzhaft, aber sehr laut und irritierend empfunden, wenn der Patient nicht mindestens stark sediert ist.

Der minimalinvasive Lift erfordert für den Behandler etwas Training und Investition in neue Geräte – der Fortschritt im Sinne unserer Patienten rechtfertigt dieses aber sehr.

Die Patienten profitieren für gewöhnlich von deutlich verkürzten Operationszeiten und dadurch, dass außer dem Zugang zum Implantationsort keine weitere Wunde geschaffen werden muss. Bei Restknochenhöhen von ca. unter 2.5 mm, wenn das Implantat nicht zeitgleich fest verankert werden kann, erfolgt der Zugang durch ein ca. 2 mm kleines Loch, das im Regelfall innerhalb von sehr kurzer Zeit vollständig verheilt ist. Die Erholungszeit (Rekonvaleszenzzeit) der Patienten wird durch diese Techniken maximal beschleunigt.

Wann macht ein Sinuslift und im Speziellen ein minimalinvasiver Sinuslift eigentlich Sinn für einen Patienten?

Als Alternative zum Sinuslift sind der Einsatz von konventionellem Zahnersatz, die verkürzte Zahnreihe, der Einsatz von kurzen und angulierten Implantaten oder überlangen Implantaten, die in das Jochbein oder das Keilbein geschraubt werden, aber auch Knochenauflagerungen, zu diskutieren. Betrachtet man aus Patientensicht den Gewinn an mundgesundheitsbezogener Lebensqualität, sowie es zum Beispiel die Universität aus Mainz sehr schön darstellen konnte, gelingt dies unter Zuhilfenahme der Sinuslifttechniken und Implantaten sehr vorhersagbar mit geringer Komplikationsrate. Betrachtet man dazu noch eine der größten Studien zu diesem Thema im Allgemeinen aus der Uniklinik in Göteborg, kann man eine Empfehlung ableiten, dass Implantate im weichen Oberkieferknochen eine Länge von 10 mm nicht unterschreiten sollten. Aus all diesen Faktoren – Vorhersagbarkeit, Sicherheit, geringe Patientenbelastung, überschaubarer Aufwand, ergibt sich in meinen Augen regelmäßig die Indikation zum Sinuslift. Diesen möchte ich dann – so wie ich es auch bei mir selbst wünschen würde – so schonend wie möglich durchführen.

Welche Materialien und Geräte werden für einen minimalinvasiven Sinuslift benutzt?

Dies variiert sehr stark. Im Allgemeinen kann man sagen, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, den Ersteintritt durch den Oberkieferknochen in die Kieferhöhle zu praktizieren. Weltweit am häufigsten dazu verwendet werden spezielle Bohrergeometrien, die besonders schleimhautschonend konzipiert sind und die teilweise innerhalb einer miniaturisierten Druckkammer angewendet werden, so dass bei Ersteintritt in die Kieferhöhle die Schleimhaut durch die pulsierende Wassersäule vom Bohrer ferngehalten werden oder piezochirurgische Instrumente, die dafür bekannt sind, auch im Kontakt zu Nerven und anderem Weichgewebe ein niedriges Verletzungsrisiko aufzuweisen.
Nach dem Ersteintritt erfolgt die Anhebung der Kieferhöhlenschleimhaut mit Wasserdruck, häufig drucküberwacht oder optisch kontrolliert zum Beispiel durch Lupentechnik, Mikroskope oder Endoskope, so dass mit einem sehr, sehr hohem Maß an Sicherheit eine valide Aussage über den Zustand der Schleimhaut, die immer unverletzt sein sollte, ermöglicht wird. Auch hier ist die Vielzahl der weltweit angewandten Techniken sehr groß.

Welche Vorteile haben Patienten gegenüber einem klassischen Sinuslift?

Eine sehr große Wiener Klinik, sowie die Uniklinik aus Leuven haben dazu bereits erste Ergebnisse veröffentlicht: im Vergleich zum klassischen externen, lateralen Sinuslift, bei dem Patienten eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von sieben Tagen aufweisen, verkürzt sich diese auf 0.2 Tage bei den minimalinvasiven Techniken. In Leuven konnte gezeigt werden, dass die Patienten mit einer signifikanten Reduktion von Unannehmlichkeiten rechnen können. Dies deckt sich mit meinen ersten Ergebnissen aus unseren Studien.

Wie lange dauert der Eingriff in der Regel und ist ein Sinuslift schmerzhaft?

Die völlige Schmerzausschaltung für diese Eingriffe ist in der Regel äußerst einfach zu bewerkstelligen und stellt heute keine Herausforderung dar. Der Eingriff kann im Extremfall zusammen mit einer Implantation bei guter Vorbereitung in insgesamt oft unter 10 Minuten durchgeführt werden. In sehr großen Lifts an verschiedenen Stellen beidseits wird eine Eingriffsdauer von 60 Minuten in der Regel nie überschritten. 80 % der Patienten sind bereits am nächsten Tag zu 100 % einsatzfähig, auch wenn man ein gewisses Maß an körperlicher Schonung beachten sollte. 80 % der Patienten benötigen bei den minimalinvasiven Lifts keine Schmerzmedikation. Eine Notwendigkeit der Schmerzmitteleinnahme am zweiten postoperativen Tag stellt eine seltene Ausnahme dar.

Wo sind die Grenzen dieser Technik bzw. wann ist sie nicht anwendbar?

Immer dann, wenn die knöchernen Begrenzungen der Kieferhöhle fehlen, es radiologisch unklare Befunde gibt, Vernarbungen, die sich durch Wasserdruck nicht lösen lassen, Fremdkörper in der Kieferhöhle, eine zu ungünstige Weichgewebssituation vorliegt, wird die klassische Fenstertechnik favorisiert. Das macht nach meinen Erfahrungen jedoch nur etwa 5-8 % der Eingriffe aus.

Wie hoch ist die Erfolgsquote und die Langzeitprognose bei dieser Technik?

Die Erfolgsquote ist so hoch wie bei allen klassischen Techniken. Grob formuliert kann man sagen, dass nach 10 Jahren etwa 90% der inserierten Implantate mit ihren prothetischen Versorgungen in Funktion und intakt sind. Bei etwa jedem 20. Eingriff kommt es zu einer Membranperforation, die dem Behandler dann die Option offenlässt entweder das Ganze nach einigen Wochen zu wiederholen oder die Schleimhautperforation unter Sicht mit einer klassischen Technik zu versorgen. Zum Vergleich: bei der klassischen Fenstertechnik berichten die meisten Studien von Schleimhautperforationsraten von 20-40 %.

Wie ist Ihre abschließende Beurteilung zu dieser Knochenaufbautechnik?

Ein absolut empfehlenswertes „Must-have“ im Sinne der Patienten für alle ambitionierten Implantatpraxen!

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