{"id":150,"date":"2020-04-23T15:46:20","date_gmt":"2020-04-23T13:46:20","guid":{"rendered":"https:\/\/implacheck.de\/infoportal\/?p=150"},"modified":"2020-04-29T10:06:16","modified_gmt":"2020-04-29T08:06:16","slug":"minimalinvasiver-sinuslift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/implacheck.de\/infoportal\/experteninterview\/2020\/minimalinvasiver-sinuslift\/","title":{"rendered":"Minimalinvasiver Sinuslift"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-block-column\">\n<p><strong>Andreas van Orten \u2013 Stellen Sie sich doch bitte kurz mit einigen S\u00e4tzen vor. Wer sind Sie, wie ist Ihr Werdegang und wo sind Sie derzeit t\u00e4tig?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe von 1993 &#8211; 1998 in M\u00fcnster Zahnmedizin studiert und meine Assistenzarztzeit dann bei einem niedergelassenen Kollegen im Ruhrgebiet verbracht. Zusammen haben wir anschlie\u00dfend eine Gemeinschaftspraxis gef\u00fchrt, in der ich der Juniorpartner gewesen bin.<br>Im Jahr 2005 habe ich in Waltrop die Zahn\u00e4rzte Do24 gegr\u00fcndet, in der wir mittlerweile mit 5 Zahn\u00e4rzten und insgesamt 32 Mitarbeitern t\u00e4tig sind. In 2016 ist Dr. Dirk Krischik als Partner hinzugekommen, so dass wir als Gemeinschaftspraxis firmiert sind.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column\">\n<div class=\"experte\">\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img src=\"https:\/\/implacheck4-0.implacheck.de\/implantologe\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2020\/03\/andreas-van-orten.jpg\" alt=\"- zahnimplantate\" title=\"- zahnimplantate\"><\/figure>\n\n\n\n<h3>Andreas van Orten<\/h3>\n<ul>\n<li>setzt j\u00e4hrl. 300 Implantate<\/li>\n<li>Spezialist Implantologie (DGZI)<\/li>\n<li>M.Sc. in Oral Implantology<\/li>\n<li>M.Sc. Parodontologie und Implantattherapie<\/li>\n<\/ul>\n<a href=\"https:\/\/implacheck4-0.implacheck.de\/implantologe\/andreas-van-orten\/\">Mehr \u00fcber Andreas van Orten erfahren<\/a>\n\n    \n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Mit der chirurgischen Parodontal- und Implantattherapie besch\u00e4ftige ich mich seit Beginn meiner Laufbahn, so dass ich in diesem Bereich mittlerweile auf eine \u00fcber 20-j\u00e4hrige Berufserfahrung zur\u00fcckblicken kann. Mit Implantat- und parodontologischen Curricula, unz\u00e4hligen Fortbildungen sowie zwei postgraduierten Studieng\u00e4ngen in \u00d6sterreich und Deutschland habe ich diese auch wissenschaftlich weiter ausgebaut. Daraus resultierten drei gr\u00f6\u00dfere mehrj\u00e4hrige Forschungsprojekte in Kooperation mit den Universit\u00e4ten in Witten, Bonn und Basel, aus denen wir uns entscheidende Wissensgewinne f\u00fcr die implantologisch t\u00e4tigen Kollegen erhoffen. Nicht zuletzt auch zum Wohle der zu implantierenden Patienten.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Praxist\u00e4tigkeit schreibe ich mittlerweile sehr gerne Artikel \u00fcber unser Fachgebiet und veranstalte regelm\u00e4\u00dfige Workshops, Live-OPs und Vortr\u00e4ge, um unser in den letzten 20 Jahren gewonnenes Wissen, weiterzugeben oder stelle es als Webinar auf YouTube online.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was qualifiziert Sie, im Besonderen \u00fcber das Thema \u201eMinimalinvasiver Sinuslift\u201c zu schreiben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mich sehr fr\u00fch in meiner Laufbahn schon mit digital unterst\u00fctzten und minimalinvasiven OP-Techniken, sowie dem evidenzbasierten Einsatz von Biomaterialien besch\u00e4ftigt. Das Wohl unserer Patienten stand bei unserer T\u00e4tigkeit dabei ma\u00dfgeblich im Vordergrund. Gerade die unterschiedlichen Sinusbodenelevationstechniken haben mich immer fasziniert und mich dazu bewogen, mich intensiv seit ca. 15 Jahren damit zu besch\u00e4ftigen. Besonders inspiriert wurde ich w\u00e4hrend einer einw\u00f6chigen Hospitation in Wien bei einem Kollegen und Entwickler einer besonders tollen Technik, Dr. Klaus Eder, mit dem ich seit vielen, vielen Jahren in engem Kontakt und Austausch stehe. Auch w\u00e4hrend mehrerer Aufenthalte im fern\u00f6stlichen Raum durfte ich spannende Einblicke in verschiedene Behandlungstechniken gewinnen. Innovative Techniken aus dem italienischen und US-amerikanischen Raum, aber auch klassische, endoskopisch-gest\u00fctzte Techniken der Hals-Nasen-Ohren\u00e4rztlichen Kollegen konnten \u00fcberzeugen. Aus diesem Wissen habe ich eigene Techniken und Prototypen weiterentwickelt, sowie Studien zu besonders geeigneten Biomaterialien begonnen, deren Ergebnisse wir hoffentlich Mitte der 20er-Jahre pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist ein minimalinvasiver Sinuslift und was sind die Unterschiede zum klassischen Sinuslift?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden klassischen Sinuslifttechniken erfordern entweder eine Lappenpr\u00e4paration als Zugang zum OP-Gebiet oder den Einsatz von mei\u00dfelartigen Instrumenten, die mit einem Hammer eingesetzt werden. Bei der ersten Technik muss der Patient mit den Nachteilen einer klassischen Lappenpr\u00e4paration wie N\u00e4hten, Schwellungen oder auch H\u00e4matomen zurechtkommen, bei der zweiten Technik kommt es in wenigen F\u00e4llen zu einer vor\u00fcbergehenden, aber dennoch sehr unangenehmen Phase von Schwindel. Auch der Einsatz von einem Sinutom mit einem Hammer wird vom Patienten f\u00fcr gew\u00f6hnlich als zwar nicht schmerzhaft, aber sehr laut und irritierend empfunden, wenn der Patient nicht mindestens stark sediert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der minimalinvasive Lift erfordert f\u00fcr den Behandler etwas Training und Investition in neue Ger\u00e4te \u2013 der Fortschritt im Sinne unserer Patienten rechtfertigt dieses aber sehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Patienten profitieren f\u00fcr gew\u00f6hnlich von deutlich verk\u00fcrzten Operationszeiten und dadurch, dass au\u00dfer dem Zugang zum Implantationsort keine weitere Wunde geschaffen werden muss. Bei Restknochenh\u00f6hen von ca. unter 2.5 mm, wenn das Implantat nicht zeitgleich fest verankert werden kann, erfolgt der Zugang durch ein ca. 2 mm kleines Loch, das im Regelfall innerhalb von sehr kurzer Zeit vollst\u00e4ndig verheilt ist. Die Erholungszeit (Rekonvaleszenzzeit) der Patienten wird durch diese Techniken maximal beschleunigt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wann macht ein Sinuslift und im Speziellen ein minimalinvasiver Sinuslift eigentlich Sinn f\u00fcr einen Patienten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Als Alternative zum Sinuslift sind der Einsatz von konventionellem Zahnersatz, die verk\u00fcrzte Zahnreihe, der Einsatz von kurzen und angulierten Implantaten oder \u00fcberlangen Implantaten, die in das Jochbein oder das Keilbein geschraubt werden, aber auch Knochenauflagerungen, zu diskutieren. Betrachtet man aus Patientensicht den Gewinn an mundgesundheitsbezogener Lebensqualit\u00e4t, sowie es zum Beispiel die Universit\u00e4t aus Mainz sehr sch\u00f6n darstellen konnte, gelingt dies unter Zuhilfenahme der Sinuslifttechniken und Implantaten sehr vorhersagbar mit geringer Komplikationsrate. Betrachtet man dazu noch eine der gr\u00f6\u00dften Studien zu diesem Thema im Allgemeinen aus der Uniklinik in G\u00f6teborg, kann man eine Empfehlung ableiten, dass Implantate im weichen Oberkieferknochen eine L\u00e4nge von 10 mm nicht unterschreiten sollten. Aus all diesen Faktoren \u2013 Vorhersagbarkeit, Sicherheit, geringe Patientenbelastung, \u00fcberschaubarer Aufwand, ergibt sich in meinen Augen regelm\u00e4\u00dfig die Indikation zum Sinuslift. Diesen m\u00f6chte ich dann \u2013 so wie ich es auch bei mir selbst w\u00fcnschen w\u00fcrde \u2013 so schonend wie m\u00f6glich durchf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Materialien und Ger\u00e4te werden f\u00fcr einen minimalinvasiven Sinuslift benutzt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dies variiert sehr stark. Im Allgemeinen kann man sagen, dass es eine Vielzahl von M\u00f6glichkeiten gibt, den Ersteintritt durch den Oberkieferknochen in die Kieferh\u00f6hle zu praktizieren. Weltweit am h\u00e4ufigsten dazu verwendet werden spezielle Bohrergeometrien, die besonders schleimhautschonend konzipiert sind und die teilweise innerhalb einer miniaturisierten Druckkammer angewendet werden, so dass bei Ersteintritt in die Kieferh\u00f6hle die Schleimhaut durch die pulsierende Wassers\u00e4ule vom Bohrer ferngehalten werden oder piezochirurgische Instrumente, die daf\u00fcr bekannt sind, auch im Kontakt zu Nerven und anderem Weichgewebe ein niedriges Verletzungsrisiko aufzuweisen.<br>Nach dem Ersteintritt erfolgt die Anhebung der Kieferh\u00f6hlenschleimhaut mit Wasserdruck, h\u00e4ufig druck\u00fcberwacht oder optisch kontrolliert zum Beispiel durch Lupentechnik, Mikroskope oder Endoskope, so dass mit einem sehr, sehr hohem Ma\u00df an Sicherheit eine valide Aussage \u00fcber den Zustand der Schleimhaut, die immer unverletzt sein sollte, erm\u00f6glicht wird. Auch hier ist die Vielzahl der weltweit angewandten Techniken sehr gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche Vorteile haben Patienten gegen\u00fcber einem klassischen Sinuslift?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine sehr gro\u00dfe Wiener Klinik, sowie die Uniklinik aus Leuven haben dazu bereits erste Ergebnisse ver\u00f6ffentlicht: im Vergleich zum klassischen externen, lateralen Sinuslift, bei dem Patienten eine durchschnittliche Arbeitsunf\u00e4higkeit von sieben Tagen aufweisen, verk\u00fcrzt sich diese auf 0.2 Tage bei den minimalinvasiven Techniken. In Leuven konnte gezeigt werden, dass die Patienten mit einer signifikanten Reduktion von Unannehmlichkeiten rechnen k\u00f6nnen. Dies deckt sich mit meinen ersten Ergebnissen aus unseren Studien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie lange dauert der Eingriff in der Regel und ist ein Sinuslift schmerzhaft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die v\u00f6llige Schmerzausschaltung f\u00fcr diese Eingriffe ist in der Regel \u00e4u\u00dferst einfach zu bewerkstelligen und stellt heute keine Herausforderung dar. Der Eingriff kann im Extremfall zusammen mit einer Implantation bei guter Vorbereitung in insgesamt oft unter 10 Minuten durchgef\u00fchrt werden. In sehr gro\u00dfen Lifts an verschiedenen Stellen beidseits wird eine Eingriffsdauer von 60 Minuten in der Regel nie \u00fcberschritten. 80 % der Patienten sind bereits am n\u00e4chsten Tag zu 100 % einsatzf\u00e4hig, auch wenn man ein gewisses Ma\u00df an k\u00f6rperlicher Schonung beachten sollte. 80 % der Patienten ben\u00f6tigen bei den minimalinvasiven Lifts keine Schmerzmedikation. Eine Notwendigkeit der Schmerzmitteleinnahme am zweiten postoperativen Tag stellt eine seltene Ausnahme dar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wo sind die Grenzen dieser Technik bzw. wann ist sie nicht anwendbar?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Immer dann, wenn die kn\u00f6chernen Begrenzungen der Kieferh\u00f6hle fehlen, es radiologisch unklare Befunde gibt, Vernarbungen, die sich durch Wasserdruck nicht l\u00f6sen lassen, Fremdk\u00f6rper in der Kieferh\u00f6hle, eine zu ung\u00fcnstige Weichgewebssituation vorliegt, wird die klassische Fenstertechnik favorisiert. Das macht nach meinen Erfahrungen jedoch nur etwa 5-8 % der Eingriffe aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie hoch ist die Erfolgsquote und die Langzeitprognose bei dieser Technik?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Erfolgsquote ist so hoch wie bei allen klassischen Techniken. Grob formuliert kann man sagen, dass nach 10 Jahren etwa 90% der inserierten Implantate mit ihren prothetischen Versorgungen in Funktion und intakt sind. Bei etwa jedem 20. Eingriff kommt es zu einer Membranperforation, die dem Behandler dann die Option offenl\u00e4sst entweder das Ganze nach einigen Wochen zu wiederholen oder die Schleimhautperforation unter Sicht mit einer klassischen Technik zu versorgen. Zum Vergleich: bei der klassischen Fenstertechnik berichten die meisten Studien von Schleimhautperforationsraten von 20-40 %.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie ist Ihre abschlie\u00dfende Beurteilung zu dieser Knochenaufbautechnik?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein absolut empfehlenswertes \u201eMust-have\u201c im Sinne der Patienten f\u00fcr alle ambitionierten Implantatpraxen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die beiden klassischen Sinuslifttechniken erfordern entweder eine Lappenpr\u00e4paration als Zugang zum OP-Gebiet oder den Einsatz von mei\u00dfelartigen Instrumenten, die mit einem Hammer eingesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[103],"tags":[106],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/implacheck.de\/infoportal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/150"}],"collection":[{"href":"https:\/\/implacheck.de\/infoportal\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/implacheck.de\/infoportal\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/implacheck.de\/infoportal\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/implacheck.de\/infoportal\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=150"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/implacheck.de\/infoportal\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/150\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/implacheck.de\/infoportal\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/implacheck.de\/infoportal\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/implacheck.de\/infoportal\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}